… und wenn ich valsch spiehle?

zum Fehler-Bild: “kleiner Haltungsfehler” – sicher findest du sofort den Fehler, oder?

 

… und wenn ich “valsch spiehle”?

Tja, ist passiert und wird wieder passieren.

“Wer arbeitet macht Fehler!” – ein oft zitierter und wahrer Satz!

Aber in unserer Musikwelt sind wir natürlich bestrebt, möglichst fehlerfrei zu spielen. Kein Zuhörer (mit Ausnahme der eigenen Familie 😉 ) akzeptiert schlecht gespielte – also fehlerhafte – Musik in einem Konzert. Auf CD, im Stream, im Radio hören wir sowieso nur perfekte Musik.

Wir aktive Musiker sind also permanent gefordert, möglichst fehlerfrei zu spielen. Und wir selbst wollen das ja natürlich auch.

Ich möchte hier nicht diesen Druck rausnehmen, sondern möchte meine heutigen schnellen Gedanken zu diesem Dauerthema KURZ darstellen:

  1. Allgemeines Lernen:
    1. Der Lernprozess  bewegt sich ständig an der Grenze zum “Neuen”. Beim Überschreiten unseres aktuellen Könnens passieren Fehler. Eine tägliche Normalität, die wir ständig ausloten.
    2. Nur, wenn ich regelmäßig an die Grenzen meiner Fähigkeiten gehe, verbessere ich mich. Damit erweitere ich mein Können: ob technisch mit Fingerschnelligkeit, neue Töne, Rhythmik … immer gehe ich so weit, bis die Fehler kommen!
    3. Jeden Tag kann ich damit meine Grenzen – meine Fähigkeiten – erweitern. Das ist der Weg!

 

  1. Speziell für uns Musiker:
    1. In der Musik ist die Genauigkeit von Beginn an hohes Kriterium: Tonlänge, Rhythmik, Artikulation sollen schon die Anfänger über ein ganzes Stück hinweg fehlerlos beherrschen. Ein einziger Fehler (falsche Note, falscher Rhythmus) kann das Ausscheiden bedeuten – man wird aus dem Stück geworfen!
    2. Niemand spielt dauerhaft fehlerlos: wir müssen also lernen, auch bei Konzerten mit Fehlern zu spielen, und weiter zu spielen: Am Besten man übt/spielt das Musikstück immer wieder (z.B. am Ende der Übungsstunde) wirklich komplett durch, hört also nicht auf zu spielen, selbst wenn Fehler passieren. Man muss mit Fehlern spielen lernen.
    3. Spielfehler kommen garantiert. Sind sie passiert, kann man sie nicht mehr “gut machen”. Oft stoppen Schüler nach einem Fehler und wiederholen die Stelle – ist gut gemeint, ich finde aber, beim Vorspiel ist das nicht “notwendig”  (ich habe das als Schüler natürlich auch gemacht) – Also WEITERSPIELEN nach Fehlern!
    4. Finde die Fehlerquelle: das ist oft schwierig! Bei uns Saxofonist(inn)en oft die fehlende Intensität des Luftstroms, weniger die Finger, manchmal das zu schnelle Tempo … es gibt endlose Fehlerquellen.

 

  1. FAZIT:
    1. Bei Spielfehlern: 1. Fehlerquelle finden // 2. Tempo reduzieren // 3. Spiele die Stelle mindestens 5 x ohne Rhythmus Ton für Ton // 4. langsam im Rhythmus // 5. Spiele die Stelle eine Woche lang mindestens 5 x täglich mit steigendem Tempo // 6. Übe immer schneller, bis der Fehler wieder kommt // 7. Gehe zurück in den “sicheren Tempobereich”
    2. Akzeptiere deine Fehler: Spielen heißt immer lernen heißt immer auch Fehler machen.
    3. Der erste Schritt ist die ACHTSAMKEIT: höre dir möglichst genau zu – oder noch besser: nimm dein Spiel mit dem Handy auf!
    4. Konzentriere dich nicht nur auf die Fehler, sondern auch auf die vielen Noten/Töne, die du sehr gut – fehlerfrei – gespielt hast!
    5. Lass dir durch die Fehler nicht den Saxofon-Spass verderben. Wenn du dich zu sehr ärgerst, spiele einfachere Musik. Natürlich wollen wir gut und besser werden, aber dieser Prozess ist ein ständiges Auf und Ab.

 

… und was für dich valsch klingt, kann für den anderen vielleicht gar nicht zu hören sein oder im Extremfall gut klingen …

… unterschätze/überschätze dein Publikum nicht: jeder hat “andere Ohren” und anderes Vorwissen:

es gibt viele Formen von valsch: fahlsch, fhalsch, fallsch, faltsch, …

Im Endeffekt entscheiden wir selber “was für uns falsch ist” und wie wir damit umgehen – mein letzter Tipp: entspannt sein, locker bleiben und nicht aufgeben: denn: unser ZIEL IST DER WEG 😉

in diesem Sinne: wünsche ich dir frohes Schaffen mit und ohne Fehler!

Was waren deine schönsten Saxofonfehler?

Wo ist die Grenze zum Ausflippen?

Foto: Scott Paddock (aus den USA) – ein genialer Saxofonist –  spielt Saxofon auf der aktuellen Eros-Ramazzotti-Welt-Tour in großen Stadien. Scott spielt aber genauso in kleinen Clubs vor 20 oder 50 Zuschauern.

 

 

 

Ein Konzert vor 20 Leuten ist einfach.  Mit dem Saxofon auf einer Familienfeier aufzutreten ist eine schöne Geste. Aber vor 200 zu spielen, bringt dir schlaflose Nächte?

Wo ist die Grenze?

Sind 20 Zuhörer anders als 50 oder 150?

Wenn ich über diese Grenze nachdenke, dann finde ich keinen Unterschied in der Zahl.

Der Unterschied liegt für mich viel mehr im Konzertprogramm:

Ich kann mich noch gut an Klassenkonzerte im Studium erinnern: Vor vielleicht 20 Zuhörer spielte ich und meine Studienkolleg(inn)en das aktuell geübte Programm: Eigentlich immer weit über unserem Können, das war nicht souverän. Wenn man da auf die Bühne ging, konnte man sich überhaupt nicht sicher sein, wie das Konzert verlaufen würde: Fliegt man komplett raus, sind nur ein paar unmerkliche “Patzer” dabei. Je nach psychischer Stärke sind diese Konzerte manchmal wirkliche Höllenfahrten: Die Studienkollegen (und wenn es nur 5 sind) sitzen unten und schauen dir genau auf die Finger. Sie kennen die Musik supergenau. Ich möchte wirklich nicht behaupten, dass man sich über den Fehler des anderen freut, aber es herrscht ordentliche Konkurrenz in der Klasse. Einfach Wettbewerb – mit Druck! Man kann es freundlicherweise vielleicht so beschreiben: Bei missglückten Konzerten bekommt man ganz selten Mitleid. Man ist quasi im Profigeschäft und die Anforderung ist hier eben, möglichst perfekt zu spielen.

Bei einem Klassenkonzert – ich kann mich noch sehr gut erinnern – funktionierte ein Teil der Mechanik auf dem Instrument nicht. Wenige Minuten vor meinem Auftritt überprüfte ich die Mechanik und ein, zwei Töne sprachen nicht an. Mein Professor ignorierte das trotz meiner fieberhaften Erklärungsversuche (vielleicht dachte er, ich wolle mich vor dem Auftritt drücken…) Das Konzert war ein kleines Desaster. In den schnellen Passagen (und es waren viele) hörte man unzählig viele Tonlöcher, manche Melodien waren nicht erkennbar, weil markante Töne nicht losgingen …

… war ja nur ein Konzert von vielen. Hat nicht weh getan (zumindest nicht körperlich) und hat auch nicht extra gekostet! – möchte ich fast jetzt leichtfertig sagen. Aber in diesen “intensiven Momenten” und Stunden und Tage danach waren meine Zweifel am “Konzertbusiness” schon beträchtlich.

… es gibt sie also, die unschönen, stressigen Momente, Krisen, Unfälle bei Konzerten.

Mein Prof. erzählte mir einmal, dass er einmal bei einem Duokonzert von einem Pianisten begleitet wurde, der sich bei den ersten Takten den Fingernagel bei einer Klaviertaste aufriss. Sie spielten ohne Unterbrechung weiter. Am Ende waren viele Klaviertasten blutverschmiert.

Man könnte ganze Bücher mit Konzertanekdoten schreiben.

Die Zuschauerzahl spielt selten eine Rolle. Ich spiele in kleinen Klubs vor 30 oder 50 Zuhörern genauso, wie in großen Hallen oder auf riesigen Plätzen. Die Zuschauergröße ist dabei egal.

Viel wichtiger ist das Konzertprogramm.

Wenn nur irgendwie möglich, achte darauf, dass du dein Konzertprogramm zu 200 % beherrscht – du musst also echt darüberstehen – quasi im Schlaf spielen können. “200 % sind wichtig, weil 100 % zieht es dir durch die Spannung und Nervosität automatisch herunter”, sagte mir mein Prof.

Und er hat natürlich recht.

Also Fazit: Wenn du wählen kannst, spiele immer die Stücke, mit denen du dich wohl fühlst und die du supersicher beherrscht. Dann kannst du mit Genuss, Freude und Überzeugung spielen. Du freust dich auf deinen Auftritt, weil du sicher bist, dass du das Publikum überzeugen wirst und dass ihr GEMEINSAM Spaß haben werdet.

Dem Zuhörer ist es ABSOLUT EGAL, ob deine gespielte Musik (für dich) einfach oder schwierig ist, sie muss aber immer musikalisch überzeugend und mit Freude gespielt sein – das will man von uns hören.

Und dann spielt die Zuschauerzahl von 2 oder 20 oder 200 oder vielleicht 2000 überhaupt keine Rolle 😉

Wer ist der Saxofon-Google?

Im Bild oben: Saxofon-Superstar Rudresh Mahanthappa spielte keine klassische Musik, obwohl dies seit langen Jahren auch in der Jazz-Ausbildung üblich ist!

 

Wer ist der “Saxofon-Google”? Gibt es ihn?

Ich meine: welche(r) Saxofonspieler(in) dominiert? Gibt also vor, was richtig und wichtig ist?

Google dominiert und kontrolliert bereits das Web: Eine jüngste Untersuchung ergab, dass jetzt bereits in 50 % aller Google-Suchen Links vorgeschlagen werden, die bereits zu Google gehören, oder die Googlesuche führt zu keinem weiteren Klick auf die von Google vorgeschlagenen externen Such-Links, weil sie die gesuchte Information bereits bei den Google-Kurzangaben gefunden haben. Google bestimmt also immer mehr die Informationen, die wir zu sehen bekommen.

Die großen Akteure im Web streben zum Monopol, auf jedem Fall zur Macht. Das ist wohl dem Menschen angeboren…

In allen Bereichen suchen wir Eliten, Leader, an denen wir uns orientieren. Schlimm nur, wenn diese Leader alleine für sich die Wahrheit in Anspruch nehmen.

Gibt es einen “Saxofon-Google” – einen oder eine der/die das Thema Saxofon dominiert? Der die Meinung/die Themen vorgeben und wir folgen?

Ich sehe keine(n)! Natürlich gibt es die Leader, die aufgrund ihres Könnens und ihrer Leistung an der Spitze stehen, wohlverdient!

Aber das Spannende dabei ist, dass es viele Wege an die Spitze gibt, viele Varianten, viele Unterschiede:

Zum Beispiel hat Rudresh Mahanthappa – ich zähle ihn zu den absolut besten Altsaxofonisten der Welt – mir erzählt, dass er nie klassische Etüden gespielt hat – das braucht es seiner Meinung nicht für den Jazz, den er spielt.

In nahezu allen Studienprogrammen im Bereich Popularmusik/Jazz müssen jedoch Saxofonisten Klassikunterricht absolvieren. Ich finde das übrigens auch sehr sinnvoll, weil man Technik, Disziplin und viele melodische Abläufe übt, die einem in allen Stilen helfen.

Dann gibt es immer wieder das Thema “Musik transkribieren”: Mit dieser Methode lernt man wohl am intensivsten im Jazz: Man hört sich also gute Improvisationen an und notiert diese Ton für Ton. Das kann bei technisch komplexer und virtuoser Musik sehr aufwendig werden.

Und hier auch Gegensätze: Branford Marsalis sagte mir, er habe nie Solos transkribiert sondern immer “nur” sehr genau intensiv gehört. Seamus Blake hingegen hat über viele Jahre hinweg ständig Solos notiert und selbstverständlich nachgespielt. David Sanchez, ein begnadeter Tenorsaxofonist aus America mit Ursprung in Puerto Rico, erzählte mir, dass er Solos nicht notiert sondern sofort singend auswendig lernt, er kann dir also Solos vorsingen …

Tja, es gibt also sehr viele Wege! Ich sehe keine absolut dominierende Meinung die sich einzig und alleine durchgesetzt hat.

ABER, natürlich gibt es für das Lernen und Spielen eines jeden Musikinstrumentes allgemein gültige Regeln, die sich bewährt haben. Wir kennen sie mehr oder weniger im Detail und wenden sie auch an. Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu stellen, will ich nur ein paar aufzählen, damit du verstehst was ich meine:

  • Übe mit einem Übungsplan
  • Habe ein konkretes Ziel
  • Übe regelmäßig, möglichst täglich
  • Mache immer Musik, auch bei Tonleitern und Skalen
  • Spiele Musik, die dir Spaß macht
  • Spiele immer mit kontrollierten Fingern
  • etc.

Das Schöne bei uns Musikern ist, dass wir sehr persönlich spielen können. Jeder kann sich seine Musik, sein System, seine Ziele suchen und kann mit diesen oben genannten Universalregeln (diese wird dir jeder seriöse Musiker bestätigen) seine Ziel (Musikstücke, Konzerte …) erreichen.

… und wenn ein Musiker einen anderen schlecht redet, so kann man immer davon Abstand nehmen, das Weite suchen – wer will, der kann auch dagegen andiskutieren …

denn jeder offene intelligente Mensch und Musiker weiß, dass man immer etwas lernen kann, selbst von Musikern, die vermeintlich “schlecht(er)” sind!

Bleiben wir also bescheiden und offen für jeden! Wir sind alle auf dem gleichen Weg 😉

 

The Windup (Keith Jarrett 1974)

Hör dir DAS an : The Windup von Keith Jarrett aus dem Album Belonging (1974).

Keith spielte das Album (inklusive Windup) mit seinem “Europäischen Quartett” ein: mit Jan Garbarek (sax), Palle Danielsson (bass), Jon Christensen (drums).

Interessant ist die Komposition in mehrfacher Hinsicht, denn es verbindet ungewöhnliche und zum Teil extreme Elemente zu einem harmonischen Ganzen:

  • Es beginnt mit einem bluesigen Piano-Riff, einem antreibenden Klavier-Rhythmusmotiv, dass sich wie ein Ohrwurm einbrennt und in seiner Unverwechselbarkeit durchaus mit den Herbie-Hancock-Riffs von Cantaloupe Island oder Watermelon Man mithalten kann.
  • Im Laufe der Komposition wechselen 3/4-Takte, 5/4-Takte und 4/4 Takte mehrmals ab. Diese Wechsel verlaufen parallel zu den einzelnen Teilmelodien im ersten Teil: die 1. Melodie “bluesig”, die 2. Melodie “sperrig”, die 3. Melodie auslaufend und entspannend
  • Im 2. Teil wieder ein Ohrwurm mit Taktwechsel: 4/4-Takt, 3/4-Takt, 5/4-Takt – alles elegant und logisch wirkend
  • Im 3. Teil ein starker Abschluss: die hohen kurzen bluesigen perkussiven Noten – wie ein Shout-Chorus einer Bigband
  • Die Improvisation ohne Akkordfolgen, komplett frei und von der Länge her offen.

unglaublich!

Will man das Stück auswendig lernen, so muss man an ein paar Stellen aufmerksam mitzählen. Bis hier der “Autopilot” einsetzt, dauert es schon einige Zeit 😉

Schön ist der Vergleich zwischen Keith Jarretts Originalquartett mit Jan Garbarek am Sopransaxofon und der neuen Version von Branford Marsalis.

Im Vergleich:

Tempo: beide nahezu gleich im Tempo

Instrumente: Branford wählt interessanter weise das Tenorsax – was mir persönlich besser gefällt als der Sopransound von Garbarek.

Bandsound:

Keith Jarrett: das Klavier klingt viel direkter und steht fast im Vordergrund; der Bandsound wirkt deutlicher; Keith spielt viel mehr mit Jan Garbareks Melodien mit. Das Saxofon klingt weiter entfernt.

Branford Marsalis: Die Aufnahme wirkt runder. Das Klavier weicher und weiter entfernt. Branford kann durch das Tenor alle Tonfarben bieten: die runden am Beginn und die scharfen beim Shout-Choruss am Ende. Generell wird das neue Quartett von Branford von der Energie des jungen und überragenden Schlagzeugers Justin Faulkner dominiert. Der hier unglaubliche Kicks, Dynamik, Bass-Sounds und der Komposition sein eigenes “Arrangement” aufdruckt.

Ich habe hier zwei zugängliche Videos aufgelistet. Am besten hörst du dir die Aufnahmen auf Spotify, i-tunes oder CD an. Damit hast du die beste Tonqualität.

Dabei ist auch sehr schön zu sehen: wie ähnlich die Musiker selbst auf Live-Konzerten und Studio-Aufnahmen spielen (Songdramaturgie, Tempo, Ideen…)

So hörst du dich selber am besten!

“Der Saxofon-TON ist am wichtigsten!”

Mein erster Lehrer, der Erwin, hat mir das immer wieder gesagt. Das erste, was die Zuhörer von dir wahrnehmen, das ist DEIN KLANG – und das meinte er wirklich sehr persönlich.

Hier nochmals deutlich: Egal ob man im 240er-Tempo noch saubere 32tel-Läufe spielen kann oder die unglaublichsten Solo-Licks spielen kann, das erste, mit dem wir am Instrument überzeugen müssen, das ist der Ton!

Mir war das lange nicht klar. Aber jeder Lehrer, Professor und Superprofi sagte mir später immer wieder dasselbe: Zuerst der Ton!

Es gilt also insbesondere für Saxofonisten im Jazz, Rock, Pop einen eigenen persönlichen Ton zu finden.

Hier die Formel dazu: (Saxofonisten anhören + eigene Idealvorstellung finden) x Tonübungen x Fokus auf den Klang x (passendes Mundstück + passendes Blatt + passendes Instrument) = der eigene bestmögliche Klang!

Diesen Weg will ich hier aber gar nicht weiter ausführen.

Ich möchte hier den Fokus auf unsere eigene Wahrnehmung beim Saxofonspielen lenken:

Wenn wir Saxofonspielen, dann hören wir den Klang anders, als der Zuhörer vor uns. Zunächst empfinden wir den Ton leiser als der Zuhörer vor uns, weil der Klang durch Trichter und Löcher nach vorne abstrahlt. Dazu finde ich, dass der Ton im Gegensatz zum Zuhörerbereich in meiner eigenen Wahrnehmung weicher klingt.

Wir hören unseren eigenen Ton also leiser und weicher als der Zuhörer. Für uns ist aber vor allem die Wahrnehmung des Zuhörers entscheidend. Deshalb müssen wir möglichst diesen Klang finden. Also wie hört uns der Zuhörer? Hier zwei einfache Methoden. Damit bekommst du relativ einfach einen Eindruck deines Saxofonklanges, so wie er beim Zuhörer ankommt.

TIPP:

Um den bestmöglichen Eindruck vom eigenen Ton zu erhalten, kannst du dich

  1. mit einem möglichst guten Mikrofon aufnehmen (Bsp. dpa, EV RE20, AKG, Neumann – in einem kommenden Beitrag werde ich Saxmikrofone empfehlen)
  2. ca. 1 m vor eine möglichst glatte Wand stellen und gegen diese Wand spielen. Der Ton wird sofort von der Wand reflektiert und kommt relativ sauber und rein sofort zu dir zurück.

 

Lösung 2 ist wohl die schnellste und einfachste Art, einen möglichst genauen Eindruck deines Klanges zu erhalten, und zwar so, wie er beim Zuhörer ankommt. Ich spiele immer wieder beim Üben vor einer Wand – ist für mich sehr aufschlussreich: Ton und Klang sind stärker und heller.

Probier nach deinen Möglichkeiten beides aus. Ich hoffe, sie helfen dir weiter. Musik machen ist immer auch ein Ausprobieren, insbesondere ein Suchen nach hilfreichen Methoden und Techniken.

Bitte erschrecke nicht. Deine Lautstärke wird dich womöglich überraschen und auch der etwas schärfere Klang könnte neu sein. ;))

Beste Sax-Wünsche

Joe

 

PS: Über den Ton, die Tonphilosophie, den Zusammenhang Ton-Material und Ton-Tonvorstellung kann man mehrere Bücher schreiben. Ich versuche hier zunächst immer die einfachsten und praktikabelsten Lösungen für etwaige Probleme oder Fragen zu bieten. 😉

Gratulation an Miguel Zenon – bester Altsaxofonist 2019

Gratulation an Miguel!

Die Fachleute des amerikanischen Magazins Downbeat haben Miguel wieder einmal zum

besten Altsaxofonisten 2019 gewählt!

WOW!

Bei seiner Virtuosität und Kreativität keine Überraschung: Mal komponiert er und spielt er mit einem Streichquartett, dann wieder mit einer Brass-Section, mit eigenem Quartett, Bigband oder mit dem SF Jazz Collectiv ….

Miguel leitet nächste Woche wieder einen Workshop im italienischen Siena!

Im Herbst geht er mit seinem Quartett wieder auf Tournee – auch ein paar Deutschlandtermine sind geplant!

Mehr von Miguel kommt in einem gesonderten Podcast-Interview von mir. Ich traf Miguel im letzten November in München, als er mit dem SJ Jazz Collectiv zu Gast war!

Seine Termine – klicke hier!

Wie du sofort herausfindest, ob deine Saxofonklappen gut schließen

Immer wieder haben Saxofonisten Probleme bei der Ansprache tiefer Töne.

Sprechen tiefe Töne schlecht an, kann EIN Grund die “schlechte Abdeckung” der Saxofonpolster auf den Kaminen des Korpus. Mit anderen Worten, die Klappen schließen nicht richtig und die Luft weicht aus den Löchern, obwohl sie mit den Klappen zugedrückt sind.

Im Ergebnis sprechen bestimmte – meist die tiefsten Töne = d1 – b – schwer oder gar nicht an.

Meist ist dieser Prozess schleichend: Durch regelmäßiges Spielen werden Korke und Polster eingedrückt, die Distanzen verstellen sich und die Klappen können die Löcher nicht mehr supergenau schließen.

Christian Maurer (von der Musikhoschule Wien) hat mir vor vielen Jahren dazu einen einfachen Trick gezeigt: Damit findet man sofort heraus, wie gut die Klappen schließen.

Du brauchst dazu weder einen Leuchtstab (wie das die Saxofonserviceleute haben) oder musst Rauch in den Korpus blasen.

So funktioniert der Trick:

  1. Greife ein Tiefes b: Mache also alle Löcher zu
  2. Bewege den RECHTEN ZEIGEFINGER (Finger für das f1 und f2) auf und zu, sodass sich dadurch die Klappe auf und zu bewegt
  3. Wenn dein Saxofon gut schließt, dann musst du beim Zudrücken der Klappe einen relativ lauten B-Ton des Saxofons hören: wie ein PLOPP
  4. Wenn du wenig bis gar nichts hörst, dann schließen deine Klappen schlecht.

 

Den gleichen Trick kannst du mit h machen: Greife ein Tiefes h – und bewege den RECHTEN MITTELFINGER (fis) auf und zu: hier solltest du im Idealfall ebenso ein laut plobbendes h hören!

 

Damit kannst du im Handumdrehen den “Gesamtzustand” deines Saxofons feststellen. Welche Klappen nicht gut decken, kannst du dabei natürlich nicht feststellen. Oft ist es eine Summe von Klappen, nicht einzelne, welche zur schlechten Ansprache führen!

Probier das aus! Ich mache das regelmäßig zur Kontrolle.

und schreib mir, wie es bei dir funktioniert oder wenn du fragen hast!

 

Es geht nich um das Saxofon!!!!

Die Klarinettistin Sabine Meyer (ein Weltstar) gewann mit 11 Jahren auf der GEIGE den größten Musikwettbewerb Deutschlands: den Bundeswettbewerb von Jugend musiziert!

Zwei Jahre später gewinnt sie wieder im Bundeswettbewerb: aber mit der Klarinette!

Bei dem hohen Niveau und der Dichte dieses Wettbewerbes wohl einzigartig!

Aber nicht selten erfahre ich von Kollegen, dass sie bereits vorher ein anderes Instrument auf hohem Niveau gespielt haben.

Und immer wieder bestätigt sich bei mir der Verdacht/die Vermutung/ und die Überzeugung, dass jeder dieser herausragenden Musiker wahrscheinlich auf jedem anderen Instrument ein großer Meister geworden wäre!

Matthias Schorn, Soloklarinettist bei den Wiener Philharmonikern, hat mich in meiner Meinung bestätigt. Er ist überzeugt, dass es keine expliziten Voraussetzungen – wie Trompeterlippen, Pianistenfinger etc. – für ein bestimmtes Instrument gibt.

Branford Marsalis sagte mir erst kürzlich, dass ihm das Saxofon, die Saxofongröße (Alt, Sopran, Tenor) eigentlich egal sind. Für ihn ist es ein bloßes Mittel für den musikalischen Ausdruck!

Heute haben wir eine Musik-Leistungsprüfung abgehalten. Die Schülerin war sehr gut vorbereitet. Sie spielte souverän, musikalisch, alles, was man sich wünscht. Und doch findet man als Lehrer natürlich immer etwas, das es zu verbessern gilt.

Meist dreht es sich dabei um die Haltung von Fingern, Händen oder auch – wie heute – um den linken Fuß, dessen Spitze nach oben gestreckt war (!!!!) – und zwar bei der kompletten Prüfung!

Musikmachen ist ein Körpergefühl, ist Körperausdruck, ist Körperarbeit. Wir Musiker sollen in der eigentlichen Grundhaltung so entspannt wie möglich spielen – mit lockeren Schultern, lockeren – flexiblen Handgelenken – weichen “Wattefingern”.

Die Spannung entwickeln wir in der Musik selber. Sie muss sich aber entsprechend der Melodien wieder auflösen.

Zurück zum Körper: Wenn wir viel spielen, viel Musik machen, regelmäßig stundenlang üben, dann empfinden wir das Instrument sogar als verlängerter Körperteil. Das Feingefühl für das Instrument wird derart ausgeprägt und genau, dass man das Instrument beim Spielen vergißt.

Es geht also nicht um das Saxofon (obwohl so ein schönes Instrument), oder um das Klavier, die Trompete …

Es geht um unser Körpergefühl, unsere Bewegungen. Dadurch entsteht Musik. Deshalb mein Appell an euch, an uns  – und immer auch an mich (aufgrund der heutigen Erfahrung): WIR MACHEN MUSIK: Fühlen wir unsere Atmung, Fühlen wir unsere Fingerbewegungen, spüren wir unsere Zungentupfer auf dem Blatt, fühlen wir die Fußsohlen fest auf dem Boden, hören wir die Töne bevor wir sie spielen, bewegen wir uns harmonisch im Fluß unserer Musik!

Das Saxofon spielt dabei keine wirkliche Rolle! Aber es ist doch so schön, dass wir es in den Händen halten dürfen! 😉

In diesem Sinne: spüren, spüren spüren!

Gratulation an Joe Lovano als bester Tenorsaxofonist des Jahres 2019

Saxofon-Großmeister Joe Lovano wurde wieder einmal vom wichtigsten Jazzmagazin der Welt – DOWNBEAT –

zum besten Tenorsaxofonisten im Jahr 2019 gewählt. WOW! Genau genommen haben die wichtigsten Jazzkritiker für das Magazin in der sogenannten critics-poll diese Wahl vorgenommen!

 

Herzliche Gratulation, lieber Joe!

Ich traf Joe vor ein paar Wochen in München und wir hatten wirklich eine lustige Zeit. Joe erzählte mir viele Anekdoten und Geschichten, angefangen von seinen ersten Lernjahren bei seinem Vater bis hin zur Woody-Hermanns-Zeit – er hat mit den Allerbesten gespielt und zählt mittlerweile seit Jahrzehnten ununterbrochen zu den weltweit kreativsten und besten Saxofonisten – 2019 hat er wieder zugeschlagen 😉

Das gesamte Interview gibts später noch in diesem Jahr in meinem Podcast “Klappe auf” zu hören!

 

Hier zur Übersicht aller Gewinner!