30 Übungen ohne Saxofon

30 Übungen die du ohne Instrument machen kannst

Singe, Greife und höre innerlich

Falls du am Beginn mit dieser Methode unsicher bist dann:

  • Spiele die Tonleiter zuerst am Klavier oder Saxofon – dann singe sie sofort
  • Spiele den Dreiklang mit dem Instrument einmal, und dann singe ihn sofort ein paar mal
  • Laut Singen/summen ist wirkungsvoller als “innerliches Singen)
  • Innerliches Singen ist anspruchsvoller und schwieriger
  • Greife beim Singen mit – also ob du Saxofon spielen würdest
  • Starte sehr langsam, wenn du zu schnell bist, oder Schwierigkeiten hast, reduziere sofort das Tempo
  • Konzentriere dich auf ein bis zwei kurze Übungen am Tag: z.B. ein Intervall die Quart aufwärts – diese Quart singst du 5 – 10x hintereinander mehrmals am Tag.
  • Bleibe bei einer Übung mindestens 1 Woche – besser sind 3 – 4 Wochen
  • Die Übungen starten einfach (1.) und werden immer schwieriger (30.)
  • Habe Geduld! Die Wirkung ist enorm, aber dieses Hören lernen ist ein lebenslanger möglichst täglicher Prozess!
  1. Singe deine Lieblings-Saxofon-Melodien, greife sie im Kopf mit (spiele sie zuerst mit dem Instrument, zuerst mit Noten, dann ohne Noten)
  2. Singe einfache Melodien aus deinen Saxofon-Noten – wenn notwendig zuerst mit Saxofon vorspielen (eine Zeile mehrmals wiederholt reicht)
  3. Singe alle Dur- und Molltonleitern und greife sie mit
  4. Singe alle Dreiklänge mit Umkehrungen, auch im Kreis
  5. Singe vom Dreiklang nur die untere Terz
  6. Singe vom Dreiklang nur die obere Terz immer wieder
  7. Singe alle Vierklänge mit Umkehrungen, auch im Kreis
  8. Singe vom Vierklang: Grundton und Quint
  9. Singe vom Vierklang: Terz und Sept
  10. Singe vom Vierklang: Grundton und Sept (sehr schwierig)
  11. Übe 3-Tonreihen aus Melodien im Kreis: cdedcdefed
  12. Übe 4-Tonreihein aus Skalen, Tonleitern im Kreis: cdefedcdefedc
  13. Übe 5-Tonreihein aus Skalen, Tonleitern im Kreis: cdefgfedcdefgfe..
  14. Transponiere Licks durch alle 12 Tonarten
  15. Singe alle Intervalle Von unten Nach Oben
  16. Singe alle Intervalle von Oben nach Unten
  17. Lerne die Bluesform, indem du die Grundtöne singst
  18. Lerne die Bluesform, indem du Grundton, Terz und Sept eines jeden Akkordes singst (spiele vorher am Klavier, Saxofon und Singe sie nach)
  19. Singe  die Vierklänge der Bluesform
  20. Lerne die Harmonieform von Liedern, Songs, Standards: pro Monat 1 – 3 Standards
  21. Lerne die Melodie dieser Lieder, Songs, Standards
  22. Singe die Grundtöne der Harmonieform
  23. Singe die Dreiklänge der Harmonieform
  24. Singe die Vierklänge der Harmonieform
  25. Singe die Terz und Sept der Harmonieformakkorde
  26. Singe Solos oder Teile von Solos auswendig
  27. Singe Etüden ohne Instrument, greife mit den Fingern mit
  28. Singe  und Spiele im Kopf von Songs im Radio die Bassmelodie mit
  29. Singe Von Radiosongs die Akkorde
  30. Singe und spiele im Kopf die Melodie von Radiosongs

Wenn dich diese Übungen im Detail interessieren, dann schreib mir, ich werde dir dann gratis kurze Lernvideos senden.

Ich konnte es am Anfang nicht glauben:

Einer meiner ersten Lehrer erzählte mir, dass er selber im Studium eine Etüde im Zug ohne Instrument gelernt hat. Er hatte die Übung vergessen und versuchte die Griffe, die Melodie rein durch das Durchlesen und Mitgreifen zu lernen und es funktionierte.

Rudresh Mahanthappa erzählte mir im letzten Jahr, dass er meist nur eine Stunde am Tag geübt hat. Auch Branford Marsalis sagte mir einmal, er hat immer sehr wenig geübt.

Wie haben sie ihr Niveau trotzdem geschafft: Mein Lehrer, Rudresh, Branford?

Sie haben sich neben dem Üben am Instrument zusätzlich dauernd mit Musik intensiv auseinander gesetzt.

Zunächst haben sie gehört. Aber Hören alleine reicht natürlich nicht. Sie haben im Kopf Musik weiter produziert, sie haben innerlich geübt!

Vieles spielt sich dabei im Kopf ab, das Instrument ist nur mehr ein Ausdrucksmittel. Das bedeutet man kann sehr viel ohne Instrument üben, Klangvorstellungen, Intervalle, Akkorde, Harmoniefolgen, Intonation.

Jeder Klang wird ja durch unser Gehirn erst produziert.

Versteh mich nicht falsch:

Natürlich ist das Üben am Instrument unerlässlich. Niemand hat bisher Saxofon ohne Saxofon gelernt. Aber neben dem tatsächlichen Üben können wir noch viele weitere Übungen machen, bei denen wir kein Instrument brauchen.

Ein Aspekt steht dabei im Zentrum:

Mit dem Instrument übst du in der Regel einmal am Tag – 20, 30, 50 Minuten oder mehr.

Aber der Lerneffekt, dein Fortschritt ändert sich, wenn du öfter am Tag übst!

Du wirst also unterschiedlich schnell lernen,

Wenn du 90 Minuten am Stück übst ,

Oder 2 x 45 Minuten,

Oder 3 x 30 Minuten

Am Tag übst.

Die Häufigkeit mit der wir üben, ist von entscheidender Bedeutung!

Üben ohne Instrument ermöglicht dir ganz locker diese höhere Frequenz:

Anstatt sich einmal pro Tag hinzusetzen, alles vorzubereiten, im Übungsraum, und das nur zu einer bestimmten Abendzeit, weil du ja nur am Abend zu Hause bist,

Kannst du überall und zu jeder Zeit OHNE INSTRUMENT üben!

Ohne dass deine Sitznachbarn in der U-Bahn oder im Cafe davon etwas bemerken!

Wie soll das funktionieren? Üben bedeutet doch, am Instrument spielen?

Nicht unbedingt, üben bedeutet Musik zu machen, auszuführen, zu verbessern.

Musik kann man vor allem im Kopf machen, nicht nur hören sondern auch im Kopf OHNE INSTRUMENT spielen!

Üben im Kopf ist vom Grundprinzip her einfach:

Du spielst die Töne – greifst sie also – mit Saxofongriffe – und versuchst gleichzeitig diese Töne zu hören!

Diese Übungen ohne Instrument kannst du im Prinzip 100mal täglich machen!

Im Bett, bevor du aufstehst.

Beim Zähneputzen

Beim Kaffee-Kochen

Beim Autofahren, im Bus, in der U-Bahn

Beim Spazierengehen, Kochen, Joggen, Essen

Ich persönlich übe meistens

Jazzstandards, Melodielicks und Jazz-Solos, sowie Skalen.

Einfachsten:

Skalen, Tonleitern: übe meistens 3-5-Tonsequenzen

Ich singe oder summe die Töne, wenn möglich laut!

Geht nicht immer;) – dann aber gedanklich

Ich greife die Töne mit Fingerbewegungen mit: am Tisch, Flasche, Lenkrad, in der Luft,Bein …

Schwierige Stellen übe ich langsam, mehrmals, in Zeitlupe

Oft übe ich nur 2 Akkorde, eine Melodiewendung immer wieder im Kopf

… Es merkt niemand, dass ich übe, egal wo ich bin!

Jazz-Solos – gut zu hören – nachzusingen:

Maceo Parker, Candy Dulfer, Michael Lington, Kenny G

Bob Mintzer, Sonny Stitt, Joshua Redman, Roger Hanschel, Paul Desmond,

Melodielicks und Jazzstandards sind schon komplizierter, aber auch machbar.

Wichtig noch:

Für das Üben ohne Instrument reserviere ich mir keine Extrazeit, während ich mir täglich meine Saxophon-Übungszeit einplane.

Üben ohne Instrument mache ich in sehr kurzen Sequenzen meist 1 – 3 Minuten, die dafür mindestens 10x am Tag, meistens spontan.

Beim Autofahren, Beim Joggen, bei der Gartenarbeit, in der Dusche.

Diese Einheiten sind nicht geplant.

Da dieses Einheiten sehr kurz sind, übe ich meist pro Woche nur 2 – 3 bestimmte Übungen: Meistens übe ich:

  • gesungene Akkordfolgen für das Lernen von Standards,
  • Schwierige Akkorde singen: Dominant #9, #11, b6 mit Umkehrungen
  • Transponiere kurze Melodien im Kopf durch alle 12 Tonarten
  • Also Täglich mehrmals dasselbe!

Noch etwas, ich treffe natürlich nicht haargenau die tatsächlichen Tonhöhen des Saxofons, wenn ich ohne Saxofon übe. Ich höre nicht absolut. Das bedeutet: Wenn ich jetzt ohne Tenorsaxofon ein G-Greife singe ich kein klingendes F. Aber die Relation der Griffe passt.

Übungen:

Start:

Egal was du üben willst, beginne einfach!

Wenn Üben ohne Instrument für dich anfänglich ungewohnt ist, dann spiele dein Übungsmaterial (Tonleitern, Akkorde, Melodien, Intervalle) zuerst mit dem Saxofon und dann greife dieselbe Melodie nochmals, ohne zu blasen, sondern singe mit.

Übe und singe in der angenehmsten Tonlage, oktaviere gesanglich tiefer, wenn du die stimmliche Tonhöhe nicht hast.

Singe/summe eine Tonleiter (im Kopf) und spiele sie gedanklich auf dem Instrument!

Wo sind die Vorzeichen?

Artikuliere mit der Zunge mit, singe mit!

Spiele die Dreiklänge!

Spiele die Tonleiter mehrmals am Tag im Kopf durch!

Spiele die Tonleiter mindestens 3 Tage, besser 7 Tage mehrmals täglich im Kopf

Spiele die Dreiklänge ebenso 3 – 7 Tage, mehrmals täglich!

Spiele vor allem die schwierigen, fehleranfälligen Stellen gedanklich mehrmals (2 – 5 Töne)

Das Gleiche kannst du mit der Pentatonik (Moll und Dur-Pentatonik), mit der Blues-Skala und natürlich mit allen möglichen Skalen (Dominante, Halbton-Ganzton, Ganzton, Alteriert, #11, etc.) machen.

Melodien im Kopf:

Finde eine kurze Melodie – 5 – 10 Töne.

Spiele sie mit dem Instrument.

Dann singe die Melodie im Kopf und greife gedanklich mit.

Solos lernen:

Lerne deine beliebtesten Melodieteile eines Solos auswendig.

Singe die Stelle!

Lerne das gesamte Solo auswendig.

Singe das gesamte Solo auswendig!

Melodien/Licks transponieren:

Jazzer üben Teilmelodien (=Licks) in allen 12 Tonarten, damit sie ein flexibles “Vokabular” für Improvisationen haben.

Diese Licks eignen sich hervorragend, um nur im Kopf transponiert zu werden!

Du hast also diese kurze Melodie gefunden.

Jetzt übst du diese in allen 12 Tonarten im Kopf.

Lerne Akkordfolgen von Liedern im Kopf:

Steige mit der Bluesform ein!

Singe zunächst die Grundtöne einer Bluesform.

Singe Grundton, 7 und 3 eines jeden Akkordes in der Bluesform.

Singe die Vierklänge der Bluesform a) vom Grundton aus b) immer vom jeweiligen Nachbarton aus.

Lerne Lieder, Songs, Standards:

Singe die Akkordfolge: a) zunächst Grundtöne singen b) Dreiklänge singen c) Vierklänge singen

Üben:

Am Instrument Töne spielen und nachsingen.

Viel Arbeit, zahlt sich aus und man wird immer schneller!

Nächste Schritte:

Gehör trainieren:

Intervalle erkennen und singen

Akkorde erkennen und singen

Akkordfolgen erkennen und singen

Musik ist wie eine Sprache.

Man kann reden, sprechen also spielen mit dem Instrument.

Man kann aber auch im Kopf lesen: also Hörübungen machen!

Du siehst, man kann unglaublich viel auch ohne Instrument üben.

Noch deutlicher gesagt, für viele musikalische Fähigkeiten brauchst du das Instrument nicht.

Und noch viel deutlicher, beim Erlernen oder Üben mancher Fähigkeiten  ist das Instrument sogar hinderlich oder macht dich langsamer.

Denke zum Beispiel an das Erkennen von Intervallen, Akkorden. Hier ist es viel wirksamer, diese Akkorde zu singen. Das ist ungleich schwieriger, verlangt mehr Vorstellungskraft, als diese Intervalle und Akkorde bloß zu spielen, indem man Klappen drückt.

Fazit:

Du kannst ohne Instrument vor allem auf 2 Gebieten hervorragend üben:

  1. Du entwickelst eine direkte Vorstellung von Melodien, Intervallen, Akkordeon. Indem du diese Grundlagen – ohne Hilfe des Instrumentes – im Kopf selber produzierst, wirst du Melodien im Voraus wie Wörter lesen können, du wirst Kompositionsmuster erkennen, du wirst ein neues musikalisches Niveau erreichen, weil du die Details der Musikalischen Sprache direkt erkennst, verstehst und produzieren kannst.
  2. Du übst technische Fertigkeiten: Melodietransposititionen, Skalen, die Akkordfolgen von Standards mit den Griffen auf dem Saxofon. Du greifst gedanklich die Tonfolge und hörst die Töne im Kopf.

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