The Windup (Keith Jarrett 1974)

Hör dir DAS an : The Windup von Keith Jarrett aus dem Album Belonging (1974).

Keith spielte das Album (inklusive Windup) mit seinem “Europäischen Quartett” ein: mit Jan Garbarek (sax), Palle Danielsson (bass), Jon Christensen (drums).

Interessant ist die Komposition in mehrfacher Hinsicht, denn es verbindet ungewöhnliche und zum Teil extreme Elemente zu einem harmonischen Ganzen:

  • Es beginnt mit einem bluesigen Piano-Riff, einem antreibenden Klavier-Rhythmusmotiv, dass sich wie ein Ohrwurm einbrennt und in seiner Unverwechselbarkeit durchaus mit den Herbie-Hancock-Riffs von Cantaloupe Island oder Watermelon Man mithalten kann.
  • Im Laufe der Komposition wechselen 3/4-Takte, 5/4-Takte und 4/4 Takte mehrmals ab. Diese Wechsel verlaufen parallel zu den einzelnen Teilmelodien im ersten Teil: die 1. Melodie “bluesig”, die 2. Melodie “sperrig”, die 3. Melodie auslaufend und entspannend
  • Im 2. Teil wieder ein Ohrwurm mit Taktwechsel: 4/4-Takt, 3/4-Takt, 5/4-Takt – alles elegant und logisch wirkend
  • Im 3. Teil ein starker Abschluss: die hohen kurzen bluesigen perkussiven Noten – wie ein Shout-Chorus einer Bigband
  • Die Improvisation ohne Akkordfolgen, komplett frei und von der Länge her offen.

unglaublich!

Will man das Stück auswendig lernen, so muss man an ein paar Stellen aufmerksam mitzählen. Bis hier der “Autopilot” einsetzt, dauert es schon einige Zeit 😉

Schön ist der Vergleich zwischen Keith Jarretts Originalquartett mit Jan Garbarek am Sopransaxofon und der neuen Version von Branford Marsalis.

Im Vergleich:

Tempo: beide nahezu gleich im Tempo

Instrumente: Branford wählt interessanter weise das Tenorsax – was mir persönlich besser gefällt als der Sopransound von Garbarek.

Bandsound:

Keith Jarrett: das Klavier klingt viel direkter und steht fast im Vordergrund; der Bandsound wirkt deutlicher; Keith spielt viel mehr mit Jan Garbareks Melodien mit. Das Saxofon klingt weiter entfernt.

Branford Marsalis: Die Aufnahme wirkt runder. Das Klavier weicher und weiter entfernt. Branford kann durch das Tenor alle Tonfarben bieten: die runden am Beginn und die scharfen beim Shout-Choruss am Ende. Generell wird das neue Quartett von Branford von der Energie des jungen und überragenden Schlagzeugers Justin Faulkner dominiert. Der hier unglaubliche Kicks, Dynamik, Bass-Sounds und der Komposition sein eigenes “Arrangement” aufdruckt.

Ich habe hier zwei zugängliche Videos aufgelistet. Am besten hörst du dir die Aufnahmen auf Spotify, i-tunes oder CD an. Damit hast du die beste Tonqualität.

Dabei ist auch sehr schön zu sehen: wie ähnlich die Musiker selbst auf Live-Konzerten und Studio-Aufnahmen spielen (Songdramaturgie, Tempo, Ideen…)

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