Meine 3 wichtigsten Prinzipien beim Saxofonüben

Ich versuche ständig zu reflektieren, welche Übungen mich am besten voran bringen. Mittlerweile habe ich unzählige Methoden und Tricks beim Saxophonüben gefunden und wiederholt angewendet. Manche sind sehr speziell, sodass ich diese selten brauche, manche setze ich gerne ein, weil sie einfach Spaß machen und darüber hinaus zu sofort spürbaren Verbesserungen führen.

Aber einige wenige Methoden wende ich in jeder Übungseinheit an, weil damit das Üben

  • extrem effizient,
  • einfach,
  • erfolgsorientiert und
  • kurzweilig bleibt.

Zusammengefasst wurden diese Methoden zu meinen Übungsprinzipien aus zwei verständlichen Gründen:

  1. Ich kann diese Prinzipien immer und bei jeder Musik anwenden!
  2. Diese Prinzipien bringen den schnellsten Fortschritt und damit spürbaren Erfolg!

Ich habe diese Prinzipien bisher gar nicht aufgelistet, doch die aus meiner heutigen Sicht wichtigsten Prinzipien stelle ich hier vor. Du kannst diese Prinzipien selbstverständlich auch auf andere Instrumente übertragen, sie funktionieren auf allen Instrumenten.

 

1. Mache immer Musik! Spiele ständig ein Fantasie-Konzert!

Dieses erste Prinzip erscheint auf den ersten Blick fast banal oder vielleicht “schulmeisterlich”! Dahinter steckt aber der eigentliche Ursprung unseres Musizierens: Musik ist für Zuhörer gedacht. Natürlich können wir auch nur für uns selbst spielen und machen das auch die meiste Zeit, indem wir regelmäßig üben. Aber das eigentliche Ziel soll doch das Vorspiel, das Konzert, der Act, die Show … vor Zuhörern sein. Damit wird Musik zu einem Austauschmedium zwischen Spieler und Hörer, Kommunikation entsteht, Gefühl füreinander – das ist das eigentlich spannende an der Musik – das Gefühl der Zuhörer und ihr Feedback zu spüren!

Auf die Zuhörer oder das Zuhören ist Musik also ausgerichtet! Das bedeutet für uns Musiker, das wir etwas vermitteln: Eine Geschichte, eine Idee, eine Stimmung, was auch immer!

Und es spielt dabei keine Rolle ob wir einen einzigen Ton oder eine ganze Symphonie spielen. Was wir brauchen ist “eine Idee” mit der wir unsere Töne, Melodien, Harmonien vermitteln.

VOR dieser Idee – so sollte man meinen – muss aber zunächst die Beherrschung des Instrumentes erfolgen. Wenn ich zum Beispiel keine spanischen Vokabel kenne, wie soll ich dann erst jemanden auf Spanisch zum Essen einladen?

Aber NEIN, genau so wie man Technik, Melodieführung etc. übt muss man auch “das Gestalten” sofort üben. Man darf auf keinen Fall bis zum Auftritt damit warten und hoffen, dass man vor Publikum den Schalter automatisch umlegt.

Also: sobald ich eine Passage, eine Teilmelodie beherrsche versuche ich sie sofort überzeugend musikalisch zu spielen. Ich gestalte sofort, probiere verschiedene Varianten aus.

Dasselbe mache ich mit Skalen, Tonleitern, Dreiklängen – sofort überzeugend gestalten. Alles andere ist leblos und uninteressant!

 

  1. Übe vom Leichten zum Schwierigen – Anstrengung verboten & Lockerheit ist Pflicht

Regelmäßig wird man beim Üben auf persönlich schwierige Stellen treffen. Die Frage die sich dabei stellt: stürzt man sich sofort mit aller Energie auf die harte Nuß?

Ich mache das nie! Wenn ich mich mit Tonübungen aufwärme, so beginne ich immer mit den einfachsten Saxofontönen: c2, h1, a1. Von da aus arbeite ich mich nach oben und unten weiter. So wärme ich Atmung und Lippenmuskeln auf und bleibe von Beginn an entspannt.

Dasselbe Prinzip wende ich bei der Einübung einer Etüde, eines Konzertstückes, eines Standards etc. an. Damit bleibe ich entspannt und nehme diese Lockerheit in die schwierigen Bereiche mit.

Darüber hinaus wende ich dieses Leicht=>Schwierig-Prinzip auch bei schwierigen technischen Stellen an, indem ich mir diese vereinfache und zu leichten Stellen mache. Am besten gelingt das, durch Spielen im langsamen Tempo. Durch langsames Tempo wird jede schwierige Stelle zu einer relativ einfachen Stelle.

Ich verlangsame also so weit, bis ich mich sicher und wohl fühle. Von diesem Tempo steigere ich mich in kleinen Stufen in Richtung Originaltempo. Also wieder unbedingt “einfach machen”!

Aus meiner Sicht steht fest: Nur wenn man seriös und dauerhaft an der genauen Finger- und Tonkontrolle arbeitet – und zwar unbedingt in langsamen Tempo – so kann man in der Folge auf der Basis dieser Genauigkeit auch komplizierte Musik spielen.

Wir müssen also versuchen unser Instrument möglichst mit genauen Bewegungen zu kontrollieren. Damit können wir noch besser Musik machen (Siehe Punkt 1)!

Der beste Weg zur Beherrschung und Kontrolle des Instrumentes ist das Prinzip “vom Leichten zum Schwierigen”, weil nur so die Genauigkeit und Lockerheit im Spiel in schwierige Regionen mitnehmen kann.

 

  1. Übe in kleinen Einheiten – Üben ist wie LEGOSPIELEN!

Mit dem 2. Prinzip (Leicht=>Schwierig) verbinde ich immer auch das Üben in kleinen Einheiten. Dieses 3. Prinzip wirkt wahre Wunder. Ich spiele und übe meist sinnvolle Kleinmelodien, verdrehe diese, transponiere diese durch den Quintenzirkel und versuche den Sinn und die Idee hinter der Melodie zu verstehen.

Mein Ziel ist immer das Auswendigspiel dieser Melodie – und zwar musikalisch überzeugend. Dazu verwende ich verschiedene Methoden: Die einfachste ist, wenn ich eine Melodie 5 mal wiederhole und ab dem 3. Mal mit geschlossenen Augen spiele.

Ich habe zum Spiel in kleinen Einheiten bereits unzählige Techniken und Methoden entwickelt, die ich selber anwende und auch immer mit meinen Schülern übe.

Das Prinzip ist genial einfach: zerlegen wie LEGO und wieder zusammenbauen. Wenn meine Kinder LEGO-spielen, so bin ich immer wieder fasziniert von deren Fantasie. Obwohl mittlerweile die Legoteile doch schon sehr anwendungsspezifisch gebaut werden (anders als zu meiner Zeit mit einer Farbe und 3 verschiedenen Längen;), bauen die beiden mit denselben Steinen Raumschiffe, Häuser, Höhlen und alles, was die Fantasie so hergibt.

So lebendig kann auch die Musik werden, wenn wir sie zerlegen. Ich finde diese Methode genial: Auf diese Weise wird die Musik lebendig und das Üben abwechslungsreich.

Ich spiele also mit dem Material immer wieder herum. Ändere Töne, Rhythmen, verschiebe Akzente, transponiere, spiele Umkehrungen.

Das alles möglichst auswendig, denn nur auf “Auswendig-Niveau” klingt Musik wirklich frei und gut!

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