Sehen ist mehr als Hören!

Natürlich sind wir Musiker auf den Höreindruck geschult und gedrillt. “Dieser und jener klingt fantastisch – oder – dieser Akkord klingt schlecht …”

Musik ist eben zunächst ein Hörereignis. Jeder, der Musik hört, und vor allem selber spielt, entwickelt automatisch ein feineres Gehör. Damit ist nichts anderes als eine Klangvorstellung (vielleicht das persönliche Ideal) und der dauernde Abgleich dieser Vorstellung mit dem aktuellen Klang (dem eigenen Ton, …)  gemeint.

Je mehr man spielt, übt, zuhört, desto feiner und vielschichtiger werden die Ohren. Ist wohl logisch, und in anderen Fächern – egal wo – werden auch mit dem wiederholten Üben spezielle Fähigkeiten entwickelt.

Doch unter Musikern gibt es einen netten – vielleicht auch gemeinen Spruch: Die Konzertbesucher sehen besser als sie hören! Dieser Gag läuft meist unter Kollegen, wenn wir über die Konzertkleidung diskutieren!

und es stimmt! – natürlich auch für mich als Konzertbesucher!

Besser angezogene Musiker spielen einfach besser, oder besser gesagt: das Publikum findet sie besser! Wer gut angezogen ist, muss doch auch gut spielen. Wer eine saubere Rasur hat, muss doch auch eine saubere Intonation haben!

Dies ist tatsächlich kein Musikergesetzt, das wirklich überall zu beobachten wäre: z. B. im Pop, und Rock erwartet man natürlich oft andere Kleidung, ist ja klar …

zurück zum Sehen!:

Ich bin definitiv der Meinung, dass zum Hören auch das ZUSEHEN gehört. Der Eindruck wird viel intensiver (z.B. ein Livekonzert oder ein Musikvideo): also mehr Emotion!

Beispiel: Ich bin ein riesiger Fan von Eric Marienthal, einem der weltbesten Altsaxofonisten. Sieh in dir in Youtube-Videos an: er lächelt, er grinst, er strahlt beim Saxofon-Spielen, seine Hemden finde ich lässig und cool – natürlich spielt er dazu absolut genial – er zählt zur absoluten Weltspitze!

Durch Eric habe ich tatsächlich wieder mehr Altsaxofon geübt. Bis Seamus Blake kam. Ein Tenorsaxofonist. Seamus ist genial, seine Anzüge sind irre – vor allem die Kombination mit Turnschuhen finde ich ein Wahnsinn für einen fast 50jährigen, aber naja! Vor allem aber ist er ein Schelm, witzig, ideenreich, er verschmelzt mit seinem Saxofon, ein mitreißender Storryteller – so genial!

… und ich wollte wieder mehr Tenor spielen!

Nur im reinen Anhören würde ich viele Eindrücke nicht haben: Die Haltung, den Gesichtsausdruck, die Bewegungen, die Interaktionen mit anderen Musikern …

Jedesmal, wenn ich mich motivieren möchte, dann klicke ich mich durch meine “Motivationssaxofonisten”: Seamus Blake, Eric Marienthal, Joshua Redman, und viele mehr!

Ich will sie sehen, nicht nur hören!

Musik wirkt bei mir am besten wenn ich höre UND sehe!

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